Transparenz für Geschäftsprozesse auf Basis Geschäftsregeln. Prof. August-Wilhelm Scheer vom Instituts für Wirtschaftsinformatik von der Universität Saarland sagt dazu:
"Gerade in jüngster Zeit machen Haftungsregelungen u. ä. es notwendig, dass Entscheidungsträger genau wissen, wie ihr Verantwortungsbereich abläuft (Corporate Governance). Nur so ist es bspw. möglich, eine Risikoanalyse durchführen zu können oder Massnahmen konsistent umsetzen zu lassen. Jedoch geht gerade in grösseren Organisationen die Transparenz verloren. Bezogen auf die Geschäftsprozesse fällt es trotz entsprechender Prozessentwürfe häufig schwer zu bestimmen, wie die Prozesse tatsächlich ausgeführt werden. Neben den bereits erwähnten Varianten- und Konsistenzproblemen führen vielfältige Änderungsanforderungen und -massnahmen dazu, dass nicht mehr nachvollziehbar ist, welche Teile eines Prozesses oder einer Prozessfamilie wann wie und aus welchem Grund geändert worden sind. Insbesondere sind auch die Constraints, denen die Prozessgestaltung unterliegt, meist nicht bestimmbar. Aus diesen Gründen werden die Definition, das Redesign und das Review von Prozessen zunehmend intransparent."
Darüber hinaus können Regeln auch die Abläufe selbst steuern. Geschäftsprozesse sind in der Regel nicht linear, sie verzweigen. Die Bedingungen, nach denen sie dies tun, sind meist nur in Form von inhaltlicher Modellbeschreibung im Modell enthalten. Gerade diese Informationen stellen aber originäre Steuerungsinformationen dar, wie sie Geschäftsregeln beschreiben können. Damit wird eine starke Vereinfachung des Prozessentwurfs erreicht, da die Prozessmodelle um die Steuerungsaspekte reduziert werden können.
Diese Entschlackungswirkung, wie sie die Abbildung beispielhaft zeigt, vereinfacht die Modellierung der Geschäftsprozesse. Zudem ergeben sich erhebliche Wiederverwendungspotentiale. Häufig steuern nämlich die gleichen Entscheidungsfaktoren den Prozessverlauf in verschiedenen Geschäftsprozessen. Beispielsweise sind die Kriterien zur Kreditentscheidung, also die Frage, ob ein Kredit gewährt wird oder nicht, unabhängig von dem entsprechenden Vertriebskanal und damit in allen gleich. Der restliche Prozessverlauf, also insbesondere die Kommunikationsaktionen, unterscheidet sich aber erheblich. In diesem Fall kann der gleiche Geschäftsregel-Satz in unterschiedlichen Prozessen eingesetzt werden; die ursprünglich redundante Abbildung ist von der Redundanz befreit.